Japan-Tournee: Ankunft in Natori

Nachdem im Orchester bekannt geworden war, dass das in Sendai geplante Konzert ausfallen musste, weil der Saal dort wegen des Erdbebens nicht bespielbar ist, haben zwei Musiker angeregt, dort in der Gegend als Zeichen der Solidarität an einem der freien Tage ein Konzert für die Bewohner der betroffenen Region zu geben. In einem früheren Blogpost hatte ich von einer Probe dafür schon ein paar Fotos gezeigt.

Heute ist der Tag des Konzerts. Wir sind mit rund 30 Leuten aus Tokio aufgebrochen – zunächst mit dem Bus zur Tokio Station und von dort mit dem Zug weiter Richtung Norden. Der Zug fuhr auf dem Weg auch durch die Stadt Fukushima – sie liegt ein ganzes Stück vom Atomkraftwerk entfernt. In Sendai ging es mit dem Bus weiter, in das rund 8 km vom Meer entfernte Natori. Der Reisebus fuhr einen kleinen Umweg, um uns einige der noch heute sichtbaren Zeichen der Zerstörung zu zeigen. Wir könnten leergefegte Fundamente sehen, wo zu Beginn des Jahres noch Häuser gestanden haben – nur die Fundamente waren übrig. Es lagen Boote direkt am Straßenrand, traurige Zeichen der großen Macht, mit der das Wasser kilometerweit ins Inland vorgestoßen ist. Und viele Autowracks lagen längs der Straße und teilweise auch mitten auf Feldern weitab der Straße. Besonders eindrücklich sind in Japan die große Effizienz und Gewissenhaftigkeit, mit der die Menschen hier ihre Arbeit verrichten. Dass es bis heute nicht gelungen ist, manche Zeichen der Zerstörung zu beseitigen, ist grade vor diesem Hintergrund und in diesem Land ein deutliches Zeichen dafür, wie groß die Verwüstung gewesen ist.

Mittlerweile sind wir im Natori Performing Arts Center angekommen. Die Musiker haben damit begonnen, sich warm zu spielen.

Martin Oetting