Japan-Tournee: Gedanken zu den Werken

Das Deutsche Symphonie Orchester spielt zwei verschiedene Programme auf dieser Tournee. Ihre Gestaltung wurde von verschiedenen Überlegungen geleitet: Natürlich möchte sich das Orchester in einer möglichst großen musikalischen Bandbreite dem musikbegeisterten japanischen Publikum präsentieren. Damit das gelingt, wollten wir zugleich Symphonik spielen, die den Geschmack des Publikums trifft und gut aufgenommen wird. Und natürlich bestehen die Programme aus Werken, mit denen sich Yutaka Sado eng identifiziert und die er mit Freude dirigiert.

Die beiden Programme im einzelnen:

Ludwig van Beethoven: “Leonoren-Ouvertüre” Nr. 3
Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur
Pjotr I. Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5 e-Moll

Richard Strauss: ›Don Juan‹
Serge Rachmaninoff: Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 7 A-Dur

Beethoven spielt als einer der prägendsten deutschen Komponisten eine besonders wichtige Rolle. Zugleich ist er einer der beliebtesten Komponisten in Japan. Aus diesen Gründen haben wir ihn in beide Programme aufgenommen. Seine heroische Leonoren-Overtüre dient als idealer Konzertauftakt; sie stellt zugleich eine schlüssige Verbindung zum darauf folgenden Mozart-Klavierkonzert dar. Und die epische 7. Symphonie gehört zum Kern deutscher musikalischer Identität und gibt dem Orchester die Möglichkeit, alle Instrumentengruppen und Stimmführer individuell und im Ensemble brillieren zu lassen.

Wir freuen uns sehr, dass Evgeni Bozhanov diese Tournee als Solopianist bereichert. Der 27-jährige Bulgare ist Preisträger des renommierten Chopin-Wettbewerbs und gilt als vielversprechender Nachwuchspianist. Auf dieser Tournee kann er mit zwei sehr verschiedenen Klavierkonzerten sein Können zeigen – zum einen mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, als zentralem Werk der Wiener Klassik im Buffa-Stil. Dazu kommt mit Rachmaninoffs Paganini-Rhapsodie ein hoch virtuoses Stück der Spätromantik. Zu unrecht nicht ganz so oft auf den Spielplänen, hätte es aufgrund seiner Vielschichtigkeit sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Don Juan von Richard Strauss ist eine Tondichtung, die musikalisch die Geschichte von Don Juan erzählt – eine Art Mini-Konzert für Orchester. Damit steigen wir auf anspruchsvolle und dynamische Weise in das zweite Konzertprogramm ein.

Tschaikowskys 5. Symphonie gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Werken des russischen Komponisten. Nach dem mysteriös-verheißungsvollen Beginn des 1. Satzes prägt pathetische Melancholie den 2. Satz, der 3. ist im Stil eines ruhigen Walzers komponiert, während im Finale schließlich alle Register der Euphorie gezogen werden. Die Verbindung zwischen dem DSO, Yutaka Sado und diesem Werk ist sehr eng – nicht allein, weil es sicherlich eines der Lieblingsstücke des Maestros ist, sondern vor allem, weil das DSO die Symphonie gemeinsam mit Sado im Frühjahr 2009 als CD eingespielt hat. Auch wenn die Auswahl schon vor der Erdbeben- und Flutkatastrophe vereinbart war, eröffnet gerade diese emotional geladene Symphonie (wie auch Beethovens 7. Symphonie) dem Publikum hoffentlich eine kleine Quelle der Kraft und Inspiration, um mit der Katastrophe der vergangenen Monate umzugehen.

Für die Zugaben präsentieren wir mit dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms und der Elégie aus der Streicherserenade von Tschaikowsky ebenfalls deutsches und russisches Repertoire.

Beide Programme werden ähnlich oft und im Wechsel gespielt, das eine fünf, das andere sieben Mal. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir sagen, dass sie gleichermaßen begeistert vom japanischen Publikum in den ausverkauften Häusern aufgenommen werden.

Alexander Steinbeis & Martin Oetting

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