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Asientournee 2015

Bald geht es los: Vom 24. Oktober bis zum 3. November sind das DSO und sein Chefdirigent Tugan Sokhiev mit acht Konzerten in Japan (Tokyo, Kitakyushu und Miyazaki) und Südkorea (Ulsan und Deagu) zu Gast. Kommen Sie mit und begleiten Sie die Asientournee an Ihrem Computer! Wir halten Sie an dieser Stelle im Blog sowie bei Facebook auf dem Laufenden. Gehen Sie mit dem DSO auf Tournee!

Alle Stationen und Konzertprogramme finden Sie hier.

Hier, als kleiner Vorgeschmack, einige historische Filmaufnahmen vergangener DSO-Reisen, u.a. 1973 nach Asien. Viel Vergnügen!

Japan-Tournee: Yutaka & Lutz

Wenige Tage vor Ende der Tournee haben wir zwei kurze Interviews geführt – mit Lutz Bienefeld, einem der Orchesterwarte, und mit Yutaka Sado, dem japanischen Star-Dirigenten der Tournee. Zusammen liefern sie vielschichtige Eindrücke von der zweieinhalbwöchigen Reise.

Der Schnitt des Videos ist nicht mehr während der Tournee fertig geworden, sondern erst jetzt, daher posten wir den Film erst heute, eine Woche nach der Rückkehr des Orchesters. Und damit endet hier auch die Berichterstattung über die Tournee. Ich bin dem Orchester zu allergrößtem Dank verpflicht – dafür, dass ich dabei sein durfte. Es war ein unvergessliches Erlebnis.

Martin Oetting

Japan-Tournee: in Zahlen

Das Abenteuer DSO Japan-Tournee 2011 ist vorbei. Eine Hälfte der Leute ist schon via Frankfurt in Berlin angekommen, die anderen sind noch irgendwo zwischen München und Berlin unterwegs. Ein Abenteuer war es durchaus auch in Bezug auf die Dimensionen des Projektes. Ein paar Zahlen:

  • Wir waren mit insgesamt 122 Personen auf der Tour.
  • 72 Frachtkisten mit Instrumenten und weiterem Equipment und einem Gesamtgewicht von rund sechseinhalb Tonnen sind ebenfalls kreuz und quer durch Japan gereist.
  • Bei 18 Hotelübernachtungen (und einer im Flugzeug während der Anreise) hat das Orchester 12 Konzerte mit dem gesamten Orchester sowie das zusätzliche Solidaritätskonzert mit dem Streicherensemble in Natori gegeben.
  • Alle Häuser waren ausverkauft, das DSO hat für insgesamt 25.306 Zuhörerinnen und Zuhörer musiziert.
  • Das Orchester hat dabei knapp über 30 Stunden Musik gespielt.
  • Unterwegs hat das Orchester insgesamt 9:15 Stunden bei gemeinsamen Proben verbracht. Dabei nicht mitgezählt sind natürlich die zahllosen Stunden, die die Orchestermitglieder allein für sich geübt haben.
  • Wir haben insgesamt 26:30 Stunden auf Busfahrten verbracht.
  • Mit Zugfahren waren wir 15 Stunden lang beschäftigt.
  • Auf den sechs Flügen (Berlin-Frankfurt, Frankfurt-Nagoya, Kansai-Chitose, Chitose-Haneda, Narita-Frankfurt/München, Frankfurt/München-Berlin) sind wir insgesamt 27 Stunden lang gereist.
  • Wir haben in acht verschiedenen Hotels gewohnt, am längsten im Grand Prince Shin-Takanawa in Tokio (dort zuerst sechs Nächte am Stück und dann nach Abstechern nach Niigata und Nagaoka nochmal drei weitere).
  • Die drei Orchesterwarte vom DSO und der Stage Manager der japanischen Agentur wurden an den Konzertorten beim Aufbau jeweils von lokalen Stage Crews aus 6-10 Leuten unterstützt.

Nicht messen oder zählen lassen sich die Warmherzigkeit, der Enthusiasmus und der Respekt, mit dem die Japaner das Orchester willkommen geheißen und jeden Abend wirklich gefeiert haben. Das war ganz einfach großartig. Und ebensowenig lässt sich in Zahlen ausdrücken, was wir alle an Eindrücken und Gedanken von dieser Reise mit zurück bringen. Es war ein unvergessliches Erlebnis. (Es wird voraussichtlich noch einen weiteren Eintrag zur Tournee hier auf dem Blog geben.)

Martin Oetting

Japan-Tournee: die Ferntrompete beim Abschlusskonzert

Grade bei Opernmusik kann es vorkommen, dass ein Bläser nicht auf der Bühne steht, sondern auch mal aus dem “Backstage-Bereich” seinen Beitrag zum Stück leistet. Das ließ sich bei der “Leonoren-Ouvertüre” Nr. 3 im Programm der Japan-Tournee besonders gut an der sogenannten Ferntrompete beobachten – und daraus ist dieser kleiner Film entstanden.

Die Aufnahme stammt vom letzten Auftritt des DSO in Sapporo. Es gab dort zum Ende der Tournee einen außerordentlich herzlichen Abschied von Yutaka Sado und vom Konzertveranstalter Crystal Arts. Anschließend ist das Orchester mit dem Bus und dem Flugzeug wieder zurück nach Tokio gereist. Im ANA Hotel am Flughafen Narita gab’s noch ein gemeinsames Abendessen, und jetzt gilt es noch ein paar Stunden Schlaf zu erwischen, bevor die Gruppe morgen – auf zwei Flugzeuge verteilt – über Frankfurt bzw. München wieder nach Berlin zurückreist. Da es nun also um ferne Reisen und Abschied geht, ist eine “Ferntrompete” ja vielleicht auch ein passender Film zum Ende der Tournee.

Martin Oetting

Japan-Tournee: Minutiöse Logistik

Das Orchester ist heute abend am letzten Konzertort angekommen. Das vorletzte Konzert fand heute nachmittag in der Biwako Hall in Otsu statt. Auf dem Wikipedia-Foto kann man sowohl unser Hotel – den höchsten Turm im Hintergrund – als auch den Konzertsaal – den modernen Bau im Vordergrund – erkennen. Otsu liegt nur wenige Zugminuten von der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto entfernt. (Am gestrigen freien Tag sind einige Orchestermitglieder für Sightseeing dorthin gefahren.)

Direkt im Anschluss an das Konzert galt es für das gesamte Orchester, und insbesondere für die Orchesterwarte, einen sehr eng geplanten Ablauf einzuhalten, um sicherzustellen, dass alle Musiker und das gesamte Equipment rechtzeitig für das morgige Konzert in Sapporo, auf der nordjapanischen Insel Hokkaido, eintreffen. Auf der Karte kann man sehen, dass es dafür ein ganzes Stück Weg zurückzulegen galt. Beziehungsweise noch immer gilt, denn die Instrumente sind noch unterwegs!

Nach dem Konzert heute in Otsu ist das gesamte Orchester direkt mit Bus, S-Bahn, Zug, Flugzeug und nochmal Bus von Otsu nach Sapporo gereist. Der Weg vom Zug in das Flugzeug war sehr knapp – rd. 100 Leute in ca. 30 Minuten durch die Sicherheitskontrollen und ins Flugzeug zu bringen, ist nicht ganz einfach, hat aber glücklicherweise recht reibungslos geklappt. Während die Musiker mit den verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs waren, mussten die Orchesterwarte noch mit der lokalen Crew in Otsu alles abbauen und die Instrumente mit den Containern verladen. Daher konnten sie nicht mit dem Orchester in der großen JAL-Linienmaschine reisen, sondern sind – nachdem sie mit ihrer Arbeit fertig waren – von einem kleineren Flughafen in der Nähe von Otsu ebenfalls nach Sapporo gereist, wo sie sogar kurz vor uns ankamen.

Die Instrumente dagegen sind nicht mitgeflogen, sondern seither auf der Straße unterwegs. Bis zum heutigen Konzert wurden alle Instrumente auf der Tournee immer in zwei großen LKWs transportiert. Diese dürfen in Japan mit maximal 90 km/h fahren – bei der Geschwindigkeit kämen die Instrumente aber nicht rechtzeitig für die Probe und das Konzert morgen in Sapporo an. Daher sind die großen LKWs schon heute morgen hierher nach Sapporo aufgebrochen und stehen schon am Saal für den Rücktransport bereit. Die Instrumente dagegen werden heute nacht in vier kleineren LKWs, die schneller fahren dürfen, hierher geliefert. Und sollten dann morgen gegen 11 Uhr am Saal ankommen.

Martin Oetting

Nachtrag: heute früh (6.11.) ergab sich, dass die Instrumente doch per Flugzeug nach Sapporo gereist waren. Sie kamen grade noch rechtzeitig zur Anspielprobe an.

Japan-Tournee: Nagoya und Osaka

Nachdem wir länger als eine Woche (mit einer kurzen Unterbrechung von den zwei Konzerten in Niigata und Nagaoka und einer Übernachtung in Niigata) in Tokyo gewohnt hatten, begann gestern der letzte Teil der Reise, der uns in sehr kurzer Abfolge in eine Reihe weiterer Städte quer durch Japan führt. Zunächst ging es nach Nagoya, der Besuch dort war unter anderem deshalb interessant, weil die Stadt (auf manche im Orchester) merklich anders gewirkt hat als Tokyo. Ich selbst hatte den Eindruck, in einer auffallend wohlhabenden Stadt zu sein, die Geschäfte und die Innenstadt machten einen entsprechenden Eindruck auf mich. Was womöglich auch daran liegen kann, dass Toyota hier in der Gegend seinen Hauptsitz hat. Andere erzählten, dass ihnen die Menschen offener und entspannter vorkamen als in Tokyo. Und dass man durchaus auch mal Leute dabei beobachten konnte, wie sie bei Rot über die Kreuzung liefen, wenn kein Auto kam. In Tokyo war das nirgends zu sehen. Das Konzertprogramm in Nagoya bestand aus Don Juan, Rachmaninow und Beethoven, und es kam wieder sehr gut an.

Heute ging es weiter nach Osaka. Der Tag begann mit dem mittlerweile klassischen Dreiklang Bus-Zug-Bus: vom Hotel mit drei Bussen zum Bahnhof, der Schnellzug brachte uns in einer knappen Stunde zur Shin-Osaka-Station, von dort ging’s mit Bussen zum New Otani Osaka Hotel. Letzteres bietet erstaunlich geräumige Zimmer und vor allem auch sehr große Fenster mit tollem Blick. Das Konzert fand im Hyogo Performing Arts Center statt, wo wir 50 Minuten mit dem Bus hinfuhren. Der “Backstage Bereich” war der geräumigste, den wir auf dieser Tournee bisher erlebt haben – hinter der Bühne gab es eine regelrechte Halle mit enorm viel Platz. Aber auch der Saal selbst ist imposant – die dunkle Täfelung hebt sich ab vom sonstigen “Design” der Säle, ich hatte ein wenig den Eindruck, als würde das Orchester in einer Art Holzschatulle spielen. Während der Anspielprobe hatte das Orchester unüblich viel Publikum – Yutaka Sado hat hier sein Stammorchester, und einige der Musiker ließen es sich nicht nehmen, seine Probe mit dem DSO zu verfolgen. Das Konzert selbst (Beethoven, Mozart und Tschaikowsky) war wieder ein großer Erfolg, im bis auf den letzten Platz ausgebuchte Saal gab es langanhaltenden Applaus inklusive diverser Jubelrufe. Morgen spielen wir noch einmal hier, dann das andere Programm.

Anbei ein paar Fotos aus Osaka.

Martin Oetting

Japan-Tournee: Gedanken zu den Werken

Das Deutsche Symphonie Orchester spielt zwei verschiedene Programme auf dieser Tournee. Ihre Gestaltung wurde von verschiedenen Überlegungen geleitet: Natürlich möchte sich das Orchester in einer möglichst großen musikalischen Bandbreite dem musikbegeisterten japanischen Publikum präsentieren. Damit das gelingt, wollten wir zugleich Symphonik spielen, die den Geschmack des Publikums trifft und gut aufgenommen wird. Und natürlich bestehen die Programme aus Werken, mit denen sich Yutaka Sado eng identifiziert und die er mit Freude dirigiert.

Die beiden Programme im einzelnen:

Ludwig van Beethoven: “Leonoren-Ouvertüre” Nr. 3
Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur
Pjotr I. Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5 e-Moll

Richard Strauss: ›Don Juan‹
Serge Rachmaninoff: Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 7 A-Dur

Beethoven spielt als einer der prägendsten deutschen Komponisten eine besonders wichtige Rolle. Zugleich ist er einer der beliebtesten Komponisten in Japan. Aus diesen Gründen haben wir ihn in beide Programme aufgenommen. Seine heroische Leonoren-Overtüre dient als idealer Konzertauftakt; sie stellt zugleich eine schlüssige Verbindung zum darauf folgenden Mozart-Klavierkonzert dar. Und die epische 7. Symphonie gehört zum Kern deutscher musikalischer Identität und gibt dem Orchester die Möglichkeit, alle Instrumentengruppen und Stimmführer individuell und im Ensemble brillieren zu lassen.

Wir freuen uns sehr, dass Evgeni Bozhanov diese Tournee als Solopianist bereichert. Der 27-jährige Bulgare ist Preisträger des renommierten Chopin-Wettbewerbs und gilt als vielversprechender Nachwuchspianist. Auf dieser Tournee kann er mit zwei sehr verschiedenen Klavierkonzerten sein Können zeigen – zum einen mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, als zentralem Werk der Wiener Klassik im Buffa-Stil. Dazu kommt mit Rachmaninoffs Paganini-Rhapsodie ein hoch virtuoses Stück der Spätromantik. Zu unrecht nicht ganz so oft auf den Spielplänen, hätte es aufgrund seiner Vielschichtigkeit sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Don Juan von Richard Strauss ist eine Tondichtung, die musikalisch die Geschichte von Don Juan erzählt – eine Art Mini-Konzert für Orchester. Damit steigen wir auf anspruchsvolle und dynamische Weise in das zweite Konzertprogramm ein.

Tschaikowskys 5. Symphonie gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Werken des russischen Komponisten. Nach dem mysteriös-verheißungsvollen Beginn des 1. Satzes prägt pathetische Melancholie den 2. Satz, der 3. ist im Stil eines ruhigen Walzers komponiert, während im Finale schließlich alle Register der Euphorie gezogen werden. Die Verbindung zwischen dem DSO, Yutaka Sado und diesem Werk ist sehr eng – nicht allein, weil es sicherlich eines der Lieblingsstücke des Maestros ist, sondern vor allem, weil das DSO die Symphonie gemeinsam mit Sado im Frühjahr 2009 als CD eingespielt hat. Auch wenn die Auswahl schon vor der Erdbeben- und Flutkatastrophe vereinbart war, eröffnet gerade diese emotional geladene Symphonie (wie auch Beethovens 7. Symphonie) dem Publikum hoffentlich eine kleine Quelle der Kraft und Inspiration, um mit der Katastrophe der vergangenen Monate umzugehen.

Für die Zugaben präsentieren wir mit dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms und der Elégie aus der Streicherserenade von Tschaikowsky ebenfalls deutsches und russisches Repertoire.

Beide Programme werden ähnlich oft und im Wechsel gespielt, das eine fünf, das andere sieben Mal. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir sagen, dass sie gleichermaßen begeistert vom japanischen Publikum in den ausverkauften Häusern aufgenommen werden.

Alexander Steinbeis & Martin Oetting

Japan-Tournee: Doppelkopf

Bei solch einer Tournee gilt es, eine Menge Zeit unterwegs zu überbrücken. 62 Stunden verbringen wir während dieser Tournee allein auf Reisen, hat mir gestern der Cellist Mathias Donderer gesagt. Immer mit denselben Leuten. Was liegt also näher, als die Zeit mit Doppelkopf zu vertreiben? Hier sieht man vier Streicher (allesamt zweite Geigen) auf der Rückfahrt vom Konzert in Fuji; als Tisch zum Ablegen der Karten dient im Notfall eine Musikerhand. Oder: man spielt Schach. Das geht natürlich auch unterwegs.

Martin Oetting