Category Archives: Fotos

Japan-Tournee: Rückkehr aus Natori

Es ist halb elf am Abend, wir sind vor wenigen Minuten wieder am Hotel in Tokyo angekommen – nach einem bewegenden Tag.

Die Reise nach Natori mit Zwischenhalt im Bahnhof Fukushima und mit dem Wissen um das, was hier in der Gegend vor wenigen Monaten passiert ist, hatte uns auf das Konzert in Natori eingestimmt. Vor Ort haben wir dann ein zwar äußerlich unversehrt erscheinendes Gebäude, das Veranstaltungszentrum Natori Shimin Kaikan, betreten. Im Inneren konnten wir aber sehen, dass das Haus unter den Erschütterungen des Erdbebens gelitten hatte. Mit rotem Klebeband war der Putz, der durch die Bewegungen gerissen ist, an den Wänden in einem Treppenhaus markiert (oder notdürftig geflickt, siehe eines der Fotos unten). Noch bis zum 4. Juni hatten Menschen aus der Region das Gebäude als Notunterkunft verwenden müssen. Von drei Sälen im Haus sind die beiden größeren durch die Erdbebenschäden nicht nutzbar, im dritten – dem kleinsten – hat sich das Ensemble des DSO dann auf das Konzert vorbereitet.

Nachdem es bei den Vorbereitungen noch ein paar Schreckmomente gab – der Transporter mit Noten und einigen Instrumenten kam zu spät – wurde doch alles rechtzeitig fertig, um 15:30 Uhr begann der Einlass.

Die 25 Streicher haben um 16 Uhr zunächst von Mozart “Eine kleine Nachtmusik” sowie von Mendelssohn die Streichersymphonie Nr. 10 gespielt. Danach wies Orchestervorstand Michael Mücke in einer kurzen Ansprache darauf hin, dass es nach langen Jahren der Gastfreundschaft der Japaner, die das DSO immer wieder habe genießen können, nun eine Herzensangelegenheit sei, auch in schwerer Zeit zu kommen und zu spielen: “Jedes Konzert der Tournee ist für uns wichtig, dieses jedoch von ganz besonderer Bedeutung.” Für die Streicherserenade von Tschaikowski und für Bachs “Air” wurden sie dann vom Dirigenten dieser Tournee, Yutaka Sado, geleitet. Er war ebenfalls nach Natori gereist und hat dem Publikum zunächst in einer sehr persönlichen Ansprache berichtet, wie sehr ihn die Zerstörung in Natori mitgenommen hat; außerdem hat er dem Orchester sehr dafür gedankt, auf eigene Initiative in dieser weiterhin schweren Zeit hierher gekommen zu sein.

Nach dem Konzert konnte man den Musikern ansehen, wie bewegt sie von dem Erlebnis waren. Einige erzählten mir, dass sie Zuhörer in den ersten Reihen vor Rührung und Bewegung haben weinen sehen. Auch der Bürgermeister der Stadt, Isoo Sasaki, zeigte sich sehr bewegt vom Konzert und erklärte: “Wir können gar nicht dankbar genug dafür sein, dass Sie in diese Stadt gekommen sind und uns Hoffnung spenden.”

Für ein paar Impressionen von dem Tag kann ich einen Blick auf die folgenden Fotos empfehlen. [Nachtrag: mittlerweile gibt es auch ein Video zu der Reise und dem Konzert.]

Martin Oetting

Japan-Tournee: Empfang in der Botschaft

Zur 150-Jahr-Feier der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland hat die deutsche Botschaft in Tokio gestern, am 23. Oktober 2011, einen Empfang ausgerichtet, zu dem Bundespräsident Wulff geladen hatte. Ehrengast war der japanische Kronprinz. Da wir ja derzeit in Tokio sind, wurde das DSO eingeladen, mit einem kleinen Ensemble einen musikalischen Beitrag zu leisten. “Wir freuen uns sehr über die Gelegenheit, das DSO in diesem Rahmen präsentieren zu können”, sagte mir dazu Alexander Steinbeis, der Orchesterdirektor.

Eine Gruppe mit drei Trompetern, zwei Posaunen und einem Schlagzeuger sowie einigen weiteren Orchestervertretern fuhr direkt im Anschluss an das Konzert in der NHK Hall weiter zur Botschaft – die Fräcke konnten also gleich anbehalten werden. Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßungsrede des Bundespräsidenten, danach wurde gemeinsam auf die deutsch-japanische Freundschaft angestoßen, und nach Eröffnung des Buffets spielte schließlich das DSO-Ensemble zwei Tänze von Michael Praetorius zur Verabschiedung des Kronprinzen.

Anbei ein paar Fotos, die Ulrich Schneider freundlicherweise für das Blog zur Verfügung gestellt hat. Der Herr auf dem ersten Bild im Gespräch mit Christian Wulff ist der Botschafter, rechts sieht man den Kronprinzen.

Martin Oetting

Japan-Tournee: Probe im Partykeller

Am 26. Oktober wird ein Streicherensemble des DSO ein Solidaritätskonzert für die Angehörigen der Opfer der Tsunami-Katastrophe in Natori bei Sendai (auf Google-Maps) geben. Das Projekt ist als Initiative von Matthias Hendel und Bertram Hartling, zwei Musikern des Orchesters, entstanden: einer der freien Tage in Tokyo könne doch für ein Konzert in einer der Katastrophenregionen verwendet werden. Die Idee stieß auf große Resonanz – Kazuyuki Tsuchihashi von der Konzertagentur Crystal Arts, die für die Organisation hier vor Ort verantwortlich ist, sagte gestern abend bei einem Abendessen, dass das eine ganz großartige Geste sei, und dass kein anderes Orchester so etwas bisher gemacht habe. Orchestervorstand Michael Mücke freut sich auf das Konzert: “Bei einer so langen und intensiven Tournee wie dieser, mit einem so engen Konzertplan, wäre der Tag Pause schon wichtig. Aber dass wir nach Sendai fahren, ist ein Stück gelebte musikalische Solidarität, auf das sich die Kollegen sehr freuen. Es war überhaupt keine Mühe, die Leute dafür zu gewinnen.”

Heute morgen trafen sich die Streicher um 10 Uhr im “Party Room” des Hotels, um für das Konzert zu proben. Ich war eine Stunde lang dabei, habe einige Fotos gemacht und das Zuhören sehr genossen.

Martin Oetting

Japan-Tournee: Ankunft in Matsumoto

Heute sind wir um 14:00 Uhr Ortszeit an unserem ersten Hotel – dem Buena Vista Hotel in Matsumoto – angekommen. Oben sieht man die Stadt als Panoramabild aus meinem Hotelzimmer im 11. Stock. Man kann erkennen, dass ringsherum vergleichsweise hohe Berge liegen. Vom Flughafen Nagoya, wo wir heute um ca. 9 Uhr morgens Ortszeit gelandet sind, brachten uns vier Busse in rund drei Stunden hierher. Für unsere 114-köpfige Gruppe fand die Ankunft am Hotel damit um gefühlte 7:00 Uhr morgens statt … mit eher wenig Schlaf. Jetzt galt und gilt es den Tag durchstehen, ohne zwischendrin schlafen zu gehen, damit man morgen möglichst schon besser an die Ortszeit angepasst ist.

Am Nachmittag haben wir mit einer kleinen Gruppe eine der größten Sehenswürdigkeit in Matsumoto, die Burg Matsomoto, aufgesucht. Laut Wikipedia eine der schönsten Burgen Japans. In der folgenden Bildergallerie gibt es ein paar Fotos von unserem Nachmittag. Neben der Burg haben wir große Insektenskulpturen entdeckt, die in der Stadt verteilt aufgestellt sind, außerdem ist eine Außenansicht vom Hotel dabei.

Während ich in meinem Hotelzimmer diese Zeilen schreibe, höre ich durch das geöffnete Fenster wie der Wind die Klänge herüber trägt von jemandem, der irgendwo im Hotel mit einem Horn probt.

Martin Oetting